Governance und Compliance mit dem neuen SharePoint 2016 – DLP im Compliance Center


Die Grundlagen für die neuen Governance und Compliance Funktionen haben wir bereits im ersten Beitrag vor wenigen Tagen “gelernt” (DLP mit eDiscovery). Heute schauen wir uns daher den zweiten Punkt aus der Reihe an: das neue Compliance Center mit Fokus auf die “Data Lost prevention” (DLP).

2. DLP im neuen Compliance Center

 Mit der eDoscovery im ersten Teil konnten wir bereits überprüfen, dass unsere SharePoint Suche die gwünschten Dokumente findet und die DLP-Filter die sensitiven Daten daraus erkennen. Ich empfehle, dass Sie bei der Anwendung neuer DLP Richtlinien zunächst immer die Regeln im eDiscovery testen, um so auch heraus zu finden, in welchen Bereichen bzw. auf welchen Site Collections entsprechende Regeln angewendet werden müssen. So können Sie gezielte Richtlinien für bestimmte Bereiche ausrollen. In unserem Beispiel setzen wir die Suche nach Kreditkarteninformationen auf unserer Accounting-Seite fort.

Um nun Compliance Richtlinien anzuwenden, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

a)      Konfigurierte Search Service Application
b)      Beispieldatei mit Kreditkarteninformationen
c)      Crawl der entsprechenden Bereiche, wo die obigen Dateien liegen
d)      Outgoing Email ist konfiguriert (optional)
e)      Site Collection mit der Compliance Policy Center Vorlage

Die Punkte a) bis c) habe ich bereits im ersten Beitrag erläutert.

d) Outgoing Email ist konfiguriert (optional)
Dieser Punkt ist optional, aber zu empfehlen, um auch die sehr hilfreichen Email-Informationen zu erhalten, sollte man gegen eine angewendete DLP Richtlinien mit einem hochgeladenen Dokument verstoßen haben. Die Konfiguration für zu sendende Emails ist die gleiche, wie in SharePoint 2013: In der Central Administration navigieren Sie dafür in die “System Settings” und finden dort in der Kategorie “E-Mail and Text Messages (SMS)” den Link zu “Configure outgoing e-mail settings”.

Die Möglichkeit, nun auch Emails verschlüsselt zu versenden, ist eine Option, die neu in SharePoint 2016 hinzu gekommen ist. Die Konfiguration ist aber selbsterklärend, sodass wir darauf nicht weiter im Detail eingehen brauchen.

e) Site Collection mit der Compliance Policy Center Vorlage
Auch hier gibt es nichts besonderes zu beachten, also einfach erstellen und dann kann es auch schon losgehen.

Anlegen einer DLP Policy im Compliance Policy Center

Im Compliance Policy Center gibt es zwei Optionen. Die erste, nämlich Richtlinien für das Löschen von Inhalten, geht mehr in die Richtung Governance. Dieses Thema schauen wir uns im dritten Teil genauer an. Wir konzentrieren uns nun auf die Data Loss Prevention Richtlinien.

Für den ersten Teil eines erfolgreichen Compliance Managements, müssen wir uns zunächst DLP Richtlinien definieren, nach denen sensitive Informationen identifiziert werden sollen.

Der Vorgang ist dabei sehr ähnlich, wie zur eDiscovery. Wir vergeben der Richtlinie einen Namen, wählen eine Vorlage aus und legen fest, wie häufig mindestens ein Verstoß gegen die Vorlage (PCI Data Security Standard -> Credit Card Numbers) gefunden werden muss, damit entsprechende Dokumente als sensitiv eingestuft und entsprechende Aktionen vorgneommen werden sollen.

Neu sind dabei im Compliance Center die zusätzlichen Aktionen, die nun bei einem Fund ausgeführt werden können. Der Policy Tip ist ein Hinweis auf einen Verstoß. Er wird in der Objekt-Vorschau angezeigt, aber auch mit Office 2016 direkt im enstprechenden Client. Ein cooles Beispiel dazu finden Sie hier: Policy Tipps im Office Client basierend auf O36 Außerdem können wir aktiv die Datei blockieren, sodass sie Unbefugte nicht länger öffnen können. Nur noch der Anwender, der das Dokument als letztes geändert und damit den Verstoß erzeugt hat, sowie der Dokument-Besitzer und Site Administrator werden noch in der Lage sein, das Dokument zu sehen und zu ändern.

Anwenden von DLP Richtlinien auf Site Collections

Haben wir uns nun DLP Richtlinien definiert, so müssen diese im zweiten Teil auf Site Collections angewendet werden, die wir überwachen möchten. Diese haben wir ja bereits im eDiscovery identifiziert.

Im DLP Policy Center starten wir nun also mit einer neuen Zuweisung.

Im ersten Schritt suchen wir nach einer Site Collection und wählen diese dann aus.
Hinweis: Auch das Suchen und Auswählen von Site Collections basiert auf dem Suchindex! Haben Sie also gerade eine ganz frische Seite angelegt und wollen diese nun anlegen, so werden Sie feststellen, dass SharePoint diese nicht findet. Warten Sie daher den nächsten Continous oder Incremental Crawl ab bzw. starten Sie einen Crawl manuell, um die Seite sofort für die Anwendung von DLP Richtlinien verfügbar zu machen.

Im zweiten Schritt weisen wir der gewählten Site Collection eine Richtlinien zu. In meinem Screenshot gibt es nur eine einzige Richtlinien, aber selbst wenn Sie mehrere Richtlinien auf eine Seite anwenden wollen, so müssen Sie (auch in der RTM) viele einzelne 1-zu-1 Zuweisungen erstellen.

Ist dies erledigt, so haben wir unsere DLP Richtlinien erfolgreich angewendet und nun heißt es warten, bis die entsprechenden Timer Jobs die Verstöße in unseren Dokumenten finden. Diese laufen je nach Sensitivität der zu findenden Daten alle 15 Minuten oder bis hin zu alle 24 Stunden.

Ergebnis für Endanwender und Administratoren

Sind diese Jobs durchgelaufen und auch der Suchindex ist aktuell, so sollten wir nicht nur die Policy Tipps sehen, sondern bei geblockten Dokumenten auch ein kleines rotes Icon, dass uns den Status verdeutlicht. Auch per Email sollte uns SharePoint eine Mitteilung gemacht haben, dass ein Objekt mit dem Namen abc.docx gegen eine Unternehmensrichtlinie verstößt – die Richtlinie wird sogar angezeigt, damit kein Frust entsteht, sondern der Nutzer klar und deutlich darüber informiert wird, warum etwas mit seinem Dokument nicht stimmt. Per Link in der Mail kann man direkt zu dem Dokument gelangen und Änderungen vornehmen.

Der Administrator, der bei einem Verstoß einer entsprechenden Regel informiert werden soll (siehe Einstellung oben: administrator@contoso.com), bekommt sogar noch detailliertere Informationen per Email:

  • Fundort
  • Titel
  • Autor
  • Person, die als letztes editierte
  • Schweregrad
  • Regel und Richtlinienname
  • Was, wie oft und mit welcher Sicherheit gefunden wurde

Navigiert nun der Administrator oder der entsprechende Endbenutzer (Besitzer oder Person, die als letztes editierte), so hat man zwei Möglichkeiten, das Problem zu lösen

  1. man editiert den entsprechenden Teil des Dokuments, der den Fund ausgelöst hat oder
  2. man nutzt den Policy Tipp, um den Konflikt für dieses Dokument zu lösen. Microsoft möchte nämlich nicht, dass durch DLP Richtlinien die Zusammenarbeit plötzlich zusammenbricht. Dazu können wir nun a) diesen Fund als Fehler melden, also dass es gar keine sensitiven informationen im Dokument gibt oder b) den Konflikt überschreiben mit einer Begründung, dass zwar sensitive Informationen zu finden sind, aber dies für den Zweck des Dokuments erforderlich ist. Beispielsweise kann dies eine Rechnung mit Zahlungsoptionen, inklusive Kreditkarteninformationen sein.

Ist auf eine der beiden Varianten der Konflikt gelöst worden, so erhält der Anwender zunächst einen Dialog, dass die Aktion nun entsprechend ausgeführt wurde und auch das kleine “Stopp”-Symbol am Dokument verschwindet wieder.

*Hinweis: Im RC, sowie in der RTM funktionieren die Policy Tipps und das Blockieren leider noch nicht mit einem reinen OnPremise Deployment. Daher fehlen dazu auch noch die Screenshots. Auch andere Kleinigkeiten laufen noch nicht wie gewünscht. Sobald diese Probleme behoben sind (hoffentlich spätestens zur GA), werde ich diesen Beitrag aktualisieren und informieren, wie man die DLP mit dem Compliance Center vollständig zum Laufen bekommt.

Bis dahin “Happy SharePointing”!


Comments (0)