ODF vs. MS Office Open XML FF : Der Kampf um offene Formate


Haben wir jetzt nach den sog. Browser-Krieg einen solchen um Office-Dateiformate? Im näheren sowie weiteren Umfeld dieses Schauplatzes kommt es zu diversen Äußerungen beteiligter und natürlich auch unbeteiligter Personen in Bezug auf Kompatibilität, Umfassendheit und überhaupt.


Klar, ODF wurde für OpenOffice 1.1 entwickelt, während das Microsoft Office Open XML File Format (der Einfachheit halber hier als MOOX bezeichnet) natürlich für Microsoft Office 2007 entwickelt wurde. Auch werden derzeit ODF-Konverter entwickelt, und zwar von beiden Seiten. Von Microsoft gibt es ein OpenSource Projekt auf SourceForge. Die OpenDocument Foundation hat ein eigenes Plugin für Microsoft Office entwickelt, das das Speichern im OpenDocument-Format ermöglichen soll. Ich konnte aber bisher keine Information finden, daß das Plugin schon irgendwo verfügbar ist.
Aber werden wir deshalb vollständige Microsoft-Office-Dokumente als ODF abspeichern können? Nein. Es wird etwas fehlen. Dinge wie beispielsweise Funktionen in Zellen von Excel-Tabellen, Tabellen in Powerpoint-Slides bzw. internationale Unterstützung (Numerierung, Formatierung, etc.) sind in ODF nicht enthalten. jedenfalls nicht in der zur Standardisierung eingereichten Version. Wenn es also okay ist, daß beim (Wieder-) Öffnen statt der Formeln nur noch die Werte der letzten Berechnung in den Zellen stehen, fein. Ansonsten bietet MOOX die besseren Möglichkeiten.


Brian Jones, seines Zeichens Program Manager für Office und verantwortlich für das Open XML File Format, schreibt in seinem Blog über ein paar dieser nicht so ganz wahren Behauptungen.


Beispielsweise ist in einem Press Release auf der ISO Webseite zu lesen:


“Billions of existing office documents will be able to be converted to the XML standard format with no loss of data, formatting, properties, or capabilities.”


Das kann sich nicht auf Microsoft Office Dokumente beziehen, wie wir oben schon gesehen haben. Aber gibt es denn so viele OpenOffice-Dokumente?
MOOX ist derzeit noch bei der ECMA zur Standardisierung, bevor es zur ISO gehen kann. 4000 Seiten Spezifikation dauern wohl auch etwas länger als die nicht ganz 800 Seiten für ODF.


Wir haben uns jedenfalls auf die Fahnen geschrieben, alle Features, die Microsoft Office unterstützt, auch im Format ablegen zu können, und zwar editierbar nach dem erneuten Öffnen.


Kann es zwei Standards geben? Wieso nicht. Hauptsache, sie erfüllen Ihren Zweck und bleiben auf lange Zeit lesbar – unabhängig vom Hersteller. Und das ist bei XML wohl doch gegeben, oder?


 

Comments (6)

  1. Paul says:

    Re: ODF vs. MS Office Open XML FF : Der Krampf um offene Formate

    Natürlich kann es auch 100 Standards geben. Das ist doch aber ein fauler Kompromiss. Es geht doch hier um das Standardformat einer Officeanwendung? Zuallererst und zu allerletzt sind da die Kundenanforderungen maßgeblich. Auch Behörden und EU Bürokraten handeln idealerweise im Auftrag ihrer Kunden? Ich glaube nicht dass eine große Mehrheit von Kunden Format- und Datenverluste zugunsten eines neutralen Dateiformates akzeptiert. Wie gesagt, Export und Import von einem neutralen Format ist nicht Gegenstand der Diskussion. Die Diskussion dreht sich um den zukünftigen De-Fakto Standard für Office Dokumente, ergo genau ein einziger Standard…

  2. Stefan Wenig says:

    Ich darf mal Brian Jones zitieren, und zwar von der Seite die Sie referenzieren:

    I love the stubbornness with the naming. There are a number of folks out there like you who like to call it “MOOX”. It’s kind of like saying M$ I guess. Should I add an “S” for Sun and call it SODF? Or maybe SIBMODF? 🙂 Anyway, the spec is completely extensible. You can add as much stuff as you want.

    Also, geben Sie’s zu: Schreiben Sie in Ihrer Freizeit auch M$ statt MS? 😉

  3. studer says:

    Leider garantiert nur XML alleine nicht, dass Dokumente unabhängig vom Hersteller sind. Es kommt eben darauf an, wie XML benutzt wird. XML selber ist nur eine Syntax, die auch dann nicht aufschreit, wenn Systemnahe Dinge wie OLE-Objekte mit CLSID’s referenziert werden. Und solche Dinge habe ich in “MOOX” schon gesehen. Damit ist es eben wieder zugeschnitten auf MS Word und Windows… und alle anderen müssen nach wie vor entsprechende Aufwände treiben, wenn sie es importieren, darstellen oder exportieren wollen.

    Um das richtig zu stellen: die MS-Jungs hinter MOOX haben sicher einen gute Job gemacht. Wenn von mir verlangt würde, dass ein binäres Format auf Biegen und Brechen XML werden soll, dann sähe es sicher nicht viel besser aus. Schliesslich trägt man als Mitglied dieses Teams die Verantwortung, dass JEDES Dokument danach noch GENAU GLEICH aus sieht; ohne Risiko des Datenverlustes! Das ist keine einfache Aufgabe und geht vermutlich nur Produktspezifisch. Ich kann mir sogar vorstellen, dass Mitglieder des Teams den wirklichen Mehrwert dieser Arbeit selber kritisch hinterfragt haben.

    Der Fehler wurde wohl vielmehr gemacht, als das binäre Format erstellt wurde, ganz offensichtlich OHNE das Ziel, dieses interoperabel oder gar transparent zu halten. MS hatte damals ja bzgl. Interoperabilität auch eine “etwas” andere Strategie. Was auf dieser Ebene nicht interoperabel ist, wird es auch nicht, in dem es auf XML gemappt wird. Man müsste wohl eher von vorne beginnen, und dann riskiert man Datenverluste bei der Konversion oder schlimmeres, was sicher nicht akzeptabel ist… Es ist nunmal auch eine Geissel der Vergangenheit.

    Ich bin es mir gewohnt, dass auf Managerebene XML als das “allerheilmittel” für Interoperabilität betrachtet wird, und man sich da wundert, wenn es dann doch nicht so ist. Es ist etwas verwunderlich, das auf MSDN unter Technikern eine ähnliche Haltung zu finden ist.
    XML bietet nur die Voraussetzungen für Interoperabilität aber ist naturgemäss sehr geduldig, wenn es dann doch Projekt- oder Produktspezifisch benutzt wird. Es ist eben nach wie vor nur eine Syntax.

    Ich hoffe dennoch, dass sich die Mitarbeiter von MS nicht zu sehr entgeistern, wenn sie feststellen, dass der Vorwurf des produktspezifischen und undurchsichtigen Formates weiterhin entstehen wird; unabhängig davon, ob es in XML konvertiert wurde und sogar ECMA seinen Segen dazu gibt oder ob es weiterhin binär abgelegt wird.

  4. jensha says:

    An Studer:

     Ja, da stimme ich Ihnen zu, XML ist nur eine Syntax für die Art und Weise der Klammersetzung sowie die Möglichkeit, Metadaten an die Daten zu heften. Und ja, es ist produktspezifisch, es ist zugeschnitten auf Microsoft Office. Unser Ziel war und ist – wie richtig erkannt – den Inhalt unserer Office-Programme 100%ig darin unter zu bringen sowie den Inhalt nach dem Wiedereinlesen editierbar zu gestalten. Und zwar ohne Datenverlust.

    Office Open XML File Format ist nicht in erster Linie als Austauschformat entwickelt worden! Natürlich möchte ein Hersteller seine Plattform fördern und zu Zeiten, als Office das Licht der Welt erblickte hat kaum keiner an Interoperabilität mit anderen Programmen, geschweige denn mit anderen Welten (oder sollte ich besser sagen, Systemen) gedacht. Jeder hat damit proprietäre, binäre Formate benutzt und damit die gleichen Ziele verfolgt. Wenn eine Geschichte vorliegt, hat man es in der Gegenwart immer schwerer (siehe die Story von VB vs. C#)

    Ja, XML wird oftmals als Allheilmittel betrachtet, vor allem von Leuten, die es weniger verstehen. Das ist es sicher nicht. Aber es ist wesentlich einfacher im Zugriff als binäre Formate und bietet wie eben festgestellt die Vorausssetzung für Interoperabilität. Microsoft hat übrigens seinen Partnern das Office-Format schon länger offen gelegt, nur ist nicht so ganz einfach in der Nutzung) Man kann mit dem Office Open XML File Format einfacher umgehen. Und standardisiert heißt auch dokumentiert und offen für alle. Das heißt nicht automatisch “einfach”, denn das ist es sicher nicht. Dagegen spricht schon die Komplexität von Office-Dokumenten, die darin untergebracht werden muß. Nein, ich halte es nicht für ein Allheilmittel, aber einen guten Schritt in die richtige Richtung.

    Übrigens, auch Microsoft muß Aufwand betreiben, um es einzulesen bzw. abzuspeichern.

  5. jensha says:

    An Stefan Wenig:

    Nein, ich schreibe privat nicht M$! Ich hatte nur MOOX as Abkürzung verwendet, um den Text kürzer zu halten. (werde ich jetzt nicht mehr tun :-))

    Ich bin seit 14+ Jahren bei Microsoft und kann mich mit einigen Dingen, die diese Firma tut, identifizieren. Ich bin stolz darauf, bei einigen Dingen ein wenig mit beigetragen und anderen dabei geholfen zu haben, die Dinge zu verstehen.

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