BYOD – eine Formel in aller Munde


win17a_lisbon_stem_school_devices_dellxps132in1_0112BYOD – Bring Your Own Device – ist heute Hype, Trend, wird jedoch überall unterschiedlich gelebt und umgesetzt. Viele Schulträger wollen BYOD in Schulen umsetzen, kaufen aber die mobilen Devices für die Schulen. Dort können Schüler und Lehrer „ihre“ Tablets für den Unterricht ausleihen.
Die Probleme liegen auf der Hand – jeder Schüler erhält ein Device nur im Unterricht, zu Hause endet das BYOD-Konzept. Jeder Lehrer muss vor und nach der Unterrichtstunde die Geräte holen und wieder einsammeln. Dabei muss er in der Regel auch die Vollständigkeit und die Funktionsfähigkeit des Gerätes überprüfen. Dieses BYOD-Konzept nennen viele Schulträger und Schulen Tablet-Klassen. Früher hieß ein ähnliches Konzept Laptop-Klassen und ist in dieser Form gescheitert.

Learning with any device, anytime, anywhere

Das Erich-Gutenberg-Berufskolleg hat vor sechs Jahren ein eigenes, echtes BYOD-Konzept gestartet: „Learning with any device, anytime, anywhere“ – Schüler bringen ihr eigenes Gerät mit, egal ob Apple, Android oder Windows. Jeder Schüler arbeitet mit seinem Gerät und ist dafür auch verantwortlich. Vorgaben gab es von uns nur für einige technische Details – mindestens  Zehn-Zoll Bildschirmdiagonale, Möglichkeiten zum Anschluss einer externen Tastatur, Mikrofon und Kamera. Damit Schüler zu jeder Zeit und an jedem beliebigen Ort lernen können, braucht es eine erweiterte Infrastruktur. Dazu gehört in der Schule ein flächendeckendes, stabiles und schnelles WLAN und für das Arbeiten an anderen Orten eine Schulplattform, die von überall her erreichbar, stabil und zukunftssicher ist.

Unsere Wahl fiel dabei auf Office 365. Gründe: Office-Online realisiert die gleiche Software auf allen Tablet-Plattformen, Sharepoint bietet eine Dateiablage für alle Klassen, OneDrive bietet eine Dateiablage für alle Schüler, OneNote bietet die Möglichkeit, gemeinsam zu arbeiten, Exchange bietet Mail für alle Schüler, Klassen und Bildungsgänge, Skype bietet eine Kommunikationsmöglichkeit über Videokonferenzen. Viele Module sind im Laufe der Jahre hinzugekommen (Sway, Delve, Forms, Yammer) und weitere werden folgen (Teams) – das ganze Paket ist für Schulen kostenlos verfügbar und man (Schule und Administratoren) muss sich keine Gedanken um Sicherungen, Viren und Verfügbarkeit machen.

BYOD richtig umsetzen

Wie setzt man BYOD am besten um? Diese Frage kann man nur individuell beantworten, denn jede Schule besitzt bereits eine individuelle Infrastruktur, und da muss es hineinpassen. Neue Projekte starten wir am EGB immer im kleinen,  eine Klasse und ein Klassenteam in einem Bildungsgang gehen voraus und testen eine neue Idee. Funktioniert die Idee, dann wird es auf einen Bildungsgang ausgeweitet und später bei Bedarf für die gesamte Schule umgesetzt.

Die Idee zu unserem BYOD-Projekt kam 2012, wurde damals aber noch von vielen als „schlechte Projektidee“ bewertet. Heute wissen wir, dass unsere Idee gar nicht so schlecht war. Im Laufe der letzten fünf Jahre hat sich BYOD in unserer Schule von einem Projekt zum Standard in einigen Teilzeit-Bildungsgängen etabliert. Dieses Schuljahr wagen wir sogar den Versuch, BYOD in alle unsere Vollzeit-Bildungsgänge zu übertragen.Unsere damals aufgestellten Ziele und Visionen von BYOD, den Konzepten des „Praxislernens“, „Lebensbegleitenden Lernens“ und „Selbstbestimmten Lernens“ Rechnung zu tragen, sind aufgegangen. Ebenso wurde unser Wunsch nach höherer Mobilität in der Schule realisiert. Die Abhängigkeit von Computerräumen ist dadurch drastisch gesunken.

Arbeitet man mit BYOD regelmäßig, kommen schnell weitere Wünsche dazu: Übertragen von Schüler-Bildschirmen auf den Lehrer-PC (unser Projekt Mirroring 360), noch mehr Mobilität (unser Projekt mobile school – mobile interaktive Tafeln) und noch mehr Kommunikationsmöglichkeiten (unser Projekt school@home – Unterricht über Videokonferenzen).
BYOD – Learning with any device, anytime, anywhere – funktioniert, macht Spaß, etabliert ein mobiles Device als Unterrichtsmedium und muss in allen Schulen für den Unterricht der Zukunft Realität werden! Unsere nächsten Projekte beschäftigen sich mit der Integration von VR/3D-Brillen und humanoiden Robotern in den Unterricht – Grundlage für diese Projekte ist aber wieder BYOD!

Ein Beitrag von Detlef Steppuhn
Lehrer und Leiter Neue Technologien und Medien am Erich-Gutenberg-Berufskolleg in Köln
www.egb-koeln.de

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